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Drohende Finanzkrise: Mit eigener Währung den Staatshaushalt sichern

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Brexit-Chaos: Wie wahrscheinlich ist eine Währungsabspaltung Londons?

Gerade einmal elf Jahre nach der globalen Finanzkrise warnt die Bundesbank vor einem erneuten finanziellen Fiasko, das auch das deutsche Finanzsystem hart treffen könnte. Entwicklungen wie die griechische Staatsschuldenkrise, der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten und jüngst die Streitigkeiten im Brexit-Deal offenbaren das finanzielle Zerwürfnis der Weltpolitik so deutlich wie selten zuvor. Es stellt sich vermehrt die Frage, inwieweit regionale Wirtschaften durch eine monetäre Unabhängigkeit einer erneuten Konjunkturkrise entgegenwirken könnten.

Gemeinsam mit dem Wirtschaftsprofessor Dr. Robert Hancké von der London School of Economics hat der Forex Broker IG nun mehrere Szenarien einer Währungsabspaltung anhand von neun Regionen weltweit beleuchtet. Dabei standen besonders die gesellschaftlichen und finanzpolitischen Folgen im Vordergrund der Analyse.

 

Alleingang: Kann London vom Brexit zurücktreten?

Besonderes Augenmerk liegt momentan auf dem Vereinigten Königreich. Nachdem Theresa May ihren Plan zum Austritt Großbritanniens aus der EU offenbart hatte, wurde eines schnell deutlich: Es herrscht große Uneinigkeit – nicht nur im britischen Kabinett, sondern auch in Mays eigener Partei. So traten bereits kurze Zeit nach der Verkündung ihres Plans vier Minister aus der Brexit-Regierung zurück. Die Spaltung aus Befürwortern und Gegnern des Brexit teilt nunmehr nicht nur das Volk, sondern auch fortschreitend die Politik. Für eine treibende Wirtschaftskraft wie London stellt vor allem die durch den Brexit implizierte Steuerumverteilung einen wirtschaftlichen Rückschritt dar. Als reichste und produktivste Region trägt London weit mehr zum britischen Bruttoinlandsprodukt und damit zu den Steuereinnahmen des Landes bei als andere Regionen.

Die Einführung einer eigenen Währung würde finanzstarken Wirtschaften wie London somit zu politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit verhelfen. Doch obwohl die britische Hauptstadt durch die Währungsabspaltung sofort einen sehr hohen Einkommens- und Wohlstandsstatus erlangen würde, ähnlich dem der Schweiz oder Monaco, hätte dies ernstzunehmende politische Konsequenzen, da die restliche britische Volkswirtschaft höchstwahrscheinlich in eine Krise stürzen würde. Anderen wirtschaftlich starken Regionen wie Deutschland oder São Paulo würde sicherlich auch ihre etablierte Ausgangssituation zugutekommen. Jedoch muss auch hier den positiven wirtschaftlichen Folgen stets das mögliche politische Konfliktpotenzial entgegengestellt werden.

 

Ein Weg aus der wirtschaftlichen Misere

Im Gegenzug präsentiert sich ein Währungsaustritt für ärmere Gebiete – wie die Innere Mongolei, Puerto Rico oder Sizilien – als Möglichkeit, von einer schwachen Währung zu profitieren. Dadurch könnte die Wettbewerbsfähigkeit des Exports steigen, was wiederum die Wachstumsaussichten und den Lebensstandard erhöht. Doch auch hier droht die Gefahr des politischen Zerwürfnisses. Sollte Sizilien sich beispielsweise mit einer eigenen Währung von Italien lossagen und würde die Abwertung des Wechselkurses Erfolg zeigen, so könnte Italien in der Folge diesem Beispiel folgen und die EU verlassen.

Obwohl sich für jede der untersuchten Regionen ein wirtschaftliches Argument für die finanzielle Unabhängigkeit finden lässt, ist der Erfolg nicht garantiert. Die Einführung einer neuen Währung – egal in welcher Stadt, Region oder in welchem Land – hätte weitreichende Folgen: Verlässt Deutschland zum Beispiel den Euro, um eine neue D-Mark einzuführen, würde dies wahrscheinlich zum Zusammenbruch der einheitlichen Währung und damit der gesamten EU führen.

Fazit: So attraktiv die Abspaltung und Einführung einer eigenen Währung auf den ersten Blick vielleicht aussehen mag, um eine angeschlagene Wirtschaft wieder in Gang zu bringen oder die vorhandenen Stärken einer Region zu nutzen – die Umsetzung ist meist enorm kompliziert und die wirtschaftlichen Vorteile würden die politischen Folgen in den seltensten Fällen aufwiegen.

 

 

Bild: depositphotos.com/samot

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