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Der Daten-Deal

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Ungewöhnliche Bezahlmethode: Wenn Studenten der amerikanischen Brown University in Rhode Island sich im Uni-Café Shira einen Espresso kaufen, können sie den Betrag nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihren Daten begleichen. Nach Angaben des Internetportals focus.de sind auch andere Getränke gratis, wenn die Studenten Name, Alter, Studienfach, Schwerpunkte und E-Mail-Adresse preisgeben. Das Café gibt die Daten an Konzerne weiter. Denn die Absolventen der Universität stehen bei ihnen hoch im Kurs. Die Unternehmen kaufen die Daten und dürfen den Studenten danach Werbung für Praktika, Werkstudentenstellen und Karrieremessen zuschicken. Auch in dem Café, das zu einer japanischen Kette gehört, dürfen die Firmen werben; dazu gehören auch Recruiting-Veranstaltungen. 

In Japan hat sich das Konzept an den Universitäten schon bewährt. Die Großbank JP Morgan soll nach Informationen von Focus.de im vergangenen Jahr 40 Prozent ihrer neuen Bankkaufleute in Shira-Cafés gefunden haben. In anderen Städten sind die Großkonzerne Mitsubishi, Microsoft und Accenture als Sponsoren aktiv. Kritik an dem Daten-Deal üben dagegen zwei Brown-Studenten: Harry August und Julia Rock. Sie appellierten in einem offenen Brief, dass die Studenten das Café meiden sollen. Ihr Bedenken: Studenten würden zu Jobs bei Unternehmen verführt, in denen nicht ethisch gearbeitet wird. August und Rock sind der Auffassung, dass JP Morgan die einzige Bank gewesen ist, die von der Finanzkrise profitiert hat und diese unter Umständen durch Manipulation verursachte. Hinzu kommt, dass ihnen zufolge die Hälfte der Brown-Absolventen nach dem Studium einen Job in der Finanz, Technik- oder Beratungsbranche beginnt, weil diese Konzerne am intensivsten um die Gunst der Studenten werben. Konzerne aus der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbranche könnten hingegen lediglich zwei Prozent der Absolventen für sich gewinnen. Für diese Unternehmen seien die Sponsoren-Verträge mit dem Shira-Café zu teuer. 

 

Bild: agsandrew/depositphotos.com

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