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Automatisierter Börsencrash: Stopp-Loss-Orders reißen Indizes runter

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Weltweit haben die Börsen auf schlechte Nachrichten reagiert – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die massiven Kursabstürze werden nämlich durch unbeirrbar ablaufende Computerprogramme verstärkt, die eine Kettenreaktion auslösen können: Die Stop-Loss-Orders. Das zeigt unter anderem der Vergleich mit dem Black Monday von 1987.

In der Nacht zum Montag bahnte es sich bereits an. In Asien und vorbörslich sausten die Börsenkurse dramatisch um teils zweistellige Prozentpunkte so schnell nach unten, dass der Handel zeitweise ausgesetzt werden musste. Der Vergleich zum „Black Monday“ von 1987 liegt nahe. In den letzten Jahren gab es ein stetiges Bergauf vieler Beteiligungen und so befürchtete man ohnehin eine Blase. Nach dem Handelskrieg der weltgrößten Wirtschaftsmächte, USA und China, kriegerischen Konflikten kommt die Angst vor einer Angebotsverknappung durch die Corona-Krise und schließlich in der Nacht zu Montag der Ölpreis-Hammer.

Neben allen berechtigten Sorgen um die Ökonomie waren es aber in der Vergangenheit oft die Computer, die die Portfolios vor dem Absturz bewahren sollten. Sie können so programmiert werden, dass sie beim Unterschreiten eines bestimmten Kurses das Verkaufssignal auslösen: Die Stop-Loss-Order gehört zum festen Repertoire des Handels. Gleichzeitig werden durch die Kurstendenz auch Stop-Buy-Orders ausgelöst.

Die Folge: Es kommt blitzschnell zu massenhaften Verkäufen, die weitere Verkäufe auslösen. Ein Domino-Effekt. Die Kaufanfragen bleiben aus, so dass der Sinkflug nicht mehr gebremst wird. Ironischerweise macht jetzt der Algorithmus für die Gesamtheit der Handelsplätze genau das Gegenteil von dem, was er soll. Dennoch wurden Investoren am 19. Oktober 1987 geweckt, die bis dahin noch „analog“ am Handel teilnahmen.

Die Börsenaufsichten sind natürlich bemüht, diese programmierten „Panik-Verkäufe“ zu vermeiden, aber die Wechselwirkungen zwischen Devisen- und Aktienkursen und dem Verhalten der Händler sind komplex. Der Handel wird ausgesetzt, wenn bestimmte Werte erreicht werden. Beim S&P 500 ist das zum Beispiel ein Verlust von 13 Prozent innerhalb eines Tages. Eine weitere Nebenwirkung der Digitalisierung der Märkte: In der schönen neuen Börsenwelt ist es dank der Computer auch möglich geworden, Anlegern „Garantien“ zu geben, das ja die Verluste automatisch begrenzt seien. Das aber verleitet wiederum zu riskanterem Verhalten. Kursausschläge bis hin zu Kettenreaktionen, ausgelöst durch Krisen und verstärkt durch Computer, werden daher nie ganz auszuschließen sein.

Symbolfoto: Depositphotos/kasto

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